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MAR

Konflikte und Integration in Europa

Conférence Public-cible: Ouvert au grand public
Über Jahrzehnte hinweg war die Europäische Union ein Integrations- und Erweite-rungsprojekt. In jüngster Zeit zeigen sich jedoch innerhalb der EU Absetzbewegun-gen in Form von Separatismen und mangelnder politischer transnationaler Kom-promissbereitschaft. Und mit dem Brexit ist eingetreten, was bis vor Kurzem als un-vorstellbar galt: der dissoziativ wirkende Ausstieg eines EU-Mitgliedstaates aus dem gemeinsamen Konfliktrahmen der Europäischen Union und der desintegrative Ver-such, durch nationale Schließung transnationale soziale Konflikte zu vermeiden. Diese Entwicklung zwingt zur Überprüfung der These, dass sozialer Konflikt eine Form der Vergesellschaftung sein und assoziative Effekte haben kann. Zu diesem Zweck wird im Vortrag die theoretische Unterscheidung von Konflikten erster und zweiter Ordnung eingeführt: zunächst werden die Bedingungen systematisiert, un-ter denen Konflikte erster Ordnung sozialintegrative oder -desintegrative Wirkungen haben können. Dann wird gezeigt, dass auch Maßnahmen der Konflikteinhegung bzw. Konfliktrahmung selbst umstritten sein können. Abhängig davon, ob diese Konflikte zweiter Ordnung in die ergänzende Institutionalisierung eines Konflikt-rahmens münden oder nicht, sind assoziative oder dissoziative Konfliktwirkungen zu erwarten. Das sich so ergebende Konfliktmodell wird abschließend auf die Ent-wicklungen in Europa angewandt.
Quand?
12.03.2019 17:15
Où?
Site MIS 03 / Salle 3100 C
Avenue de l'Europe 20, 1700 Fribourg
Organisation
Soziologie, Sozialpolitik, Sozialarbeit
Michael Nollert
michael.nollert@unifr.ch
Intervenants
Thilo Fehmel, Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur, Leipzig

CYCLE:
Vortragsreihe: Soziale Konflikte – Typen, Ursachen und Bewältigung

Konflikte zwischen Menschen, Gruppen oder Staaten sind häufig Ursache und Folge sozialer Probleme. Angefangen mit Marx und Engels, die die gesellschaftli-che Entwicklung als «Geschichte von Klassenkämpfen» (1848) sahen, sowie Sim-mel, der auf zwischenmenschliche Konflikte fokussierte, hat die soziologische Ana-lyse von Konflikten eine lange Tradition.

Allerdings entfaltet sich bereits im 19. Jh. die Kontroverse zwischen Ansätzen, die wie Marx, Simmel und später Coser die konstruktiven Aspekte von Konflikten und solchen, die dysfunktionale Aspekte von Konflikten betonen (Durkheim, Parsons).

Analoge Divergenzen finden wir auch hinsichtlich der Ursache von Konflikten. Während funktionalistische Ansätze vornehmlich auf kulturelle Integrations- und Kommunikationsdefizite verweisen, richtet sich das Augenmerk von Konflikttheo-rien auf ökonomische, politische und kulturelle Differenzen.

Entsprechend variieren auch die Vorschläge, Konflikte zu bewältigen, zwischen Integrationskursen, Erziehungstipps, Resozialisation, mehr Dialog und strukturellen Reformen, die u.a. das ökonomische Gefälle zwischen Menschen, Gruppen und Staaten verringern.

Moderne Gesellschaften verfügen an sich dank demokratischer Institutionen, Sozi-alpolitik und Sozialarbeit über tragfähige Instrumente, um destruktive, gewalttätige Manifestationen von Konflikten zu begrenzen. Entsprechend wird die Vortragsreihe nach einer Einführung in die theoretischen Grundlagen und Referaten zu aktuel-len Konflikten in der Schweiz Massnahmen thematisieren, die zu deren Bewälti-gung beitragen sollten.
 
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