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FEV

Die Postliberale Konstellation. Konflikttheoretische Perspektiven auf gesellschaftliche Polarisierung

Conférence Public-cible: Ouvert au grand public
In den europäischen Gesellschaften erleben wir in den letzten Jahren zwei schein-bar widersprüchliche Entwicklungstendenzen: Auf der einen Seite hat sich ein Li-beralismus etabliert, der diese Gesellschaften unter einen erheblichen Liberalisie-rungsdruck gesetzt hat. Fragen der Lebensführung sind seitdem von einer zuneh-menden staatlichen Deregulierung und normativen Pluralisierung geprägt. Auf der anderen Seite nehmen die daraus unweigerlich entstehenden gesellschaftlichen Konflikte an Schärfe zu. Mittlerweile treten dem Liberalismus zumindest in bestimmten Politikfeldern anti-pluralistische und mitunter auch antidemokratische Haltun-gen und Reorientierungen an imaginären Gemeinschaften offen entgegen. Beson-ders deutlich wird dies gegenwärtig an den Debatten um Sexualpolitik und Migrati-on. Der Vortrag arbeitet heraus, wie sich dieser Prozess gesellschaftlicher Polarisie-rung vor dem Hintergrund sozialwissenschaftlicher Konflikttheorien verstehen lässt. Zwei klassische Fragen stehen dabei im Mittelpunkt: Inwiefern tragen diese Konflik-te selbst das Potenzial in sich, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stiften? Und inwiefern benötigen wir in einer postliberalen Konstellation dafür möglicherweise neue Institutionen der gewaltfreien Konfliktaustragung.
Quand?
26.02.2019 17:15
Où?
Site MIS 03 / Salle 3100 C
Avenue de l'Europe 20, 1700 Fribourg
Organisation
Soziologie, Sozialpolitik, Sozialarbeit
Michael Nollert
michael.nollert@unifr.ch
Intervenants
Thorsten Bonacker, Philipps-Universität Marburg

CYCLE:
Vortragsreihe: Soziale Konflikte – Typen, Ursachen und Bewältigung

Konflikte zwischen Menschen, Gruppen oder Staaten sind häufig Ursache und Folge sozialer Probleme. Angefangen mit Marx und Engels, die die gesellschaftli-che Entwicklung als «Geschichte von Klassenkämpfen» (1848) sahen, sowie Sim-mel, der auf zwischenmenschliche Konflikte fokussierte, hat die soziologische Ana-lyse von Konflikten eine lange Tradition.

Allerdings entfaltet sich bereits im 19. Jh. die Kontroverse zwischen Ansätzen, die wie Marx, Simmel und später Coser die konstruktiven Aspekte von Konflikten und solchen, die dysfunktionale Aspekte von Konflikten betonen (Durkheim, Parsons).

Analoge Divergenzen finden wir auch hinsichtlich der Ursache von Konflikten. Während funktionalistische Ansätze vornehmlich auf kulturelle Integrations- und Kommunikationsdefizite verweisen, richtet sich das Augenmerk von Konflikttheo-rien auf ökonomische, politische und kulturelle Differenzen.

Entsprechend variieren auch die Vorschläge, Konflikte zu bewältigen, zwischen Integrationskursen, Erziehungstipps, Resozialisation, mehr Dialog und strukturellen Reformen, die u.a. das ökonomische Gefälle zwischen Menschen, Gruppen und Staaten verringern.

Moderne Gesellschaften verfügen an sich dank demokratischer Institutionen, Sozi-alpolitik und Sozialarbeit über tragfähige Instrumente, um destruktive, gewalttätige Manifestationen von Konflikten zu begrenzen. Entsprechend wird die Vortragsreihe nach einer Einführung in die theoretischen Grundlagen und Referaten zu aktuel-len Konflikten in der Schweiz Massnahmen thematisieren, die zu deren Bewälti-gung beitragen sollten.
 
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