19
MAI

Ana Soliz de Stange (Hamburg): "US-amerikanische und chinesische Hegemoniebestrebungen in Lateinamerika" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)

Vortrag, Öffentliche Vorlesung
Breite Öffentlichkeit
19.05.2026 17:00
Präsenzveranstaltung

Die Ringvorlesung bietet einen epochenübergreifenden Überblick über die Geschichte Lateinamerikas von der Ankunft der Europäer 1492 bis in die Gegenwart. Sie begreift den Kontinent zugleich als Krisenherd und als historisches Laboratorium, in dem soziale, kulturelle, politische und ökonomische Ordnungen aufeinanderstießen. Aktuelle Konflikte – etwa die jüngsten Spannungen um Venezuela – werden dabei konsequent in ihren historischen Kontext eingebettet.

Historische Orte des Konflikts und der Transformation waren die Mestizaje und die Transkulturation, als sich indigene Gesellschaften, europäische Kolonisatoren, afrikanische und asiatische Arbeits- und Zwangsmigranten begegneten. Missionarische Unternehmungen und utopische Siedlungsprojekte wirkten als Laboratorien religiöser Disziplinierung, Herrschaftsausübung und gemeinschaftlicher Neuordnung. Der Kontakt mit der „Neuen Welt“ veränderte europäische Wissensordnungen nachhaltig. Kolonialismus erscheint in dieser Perspektive nicht nur als Ausbeutungsregime, sondern auch als Motor früher Globalisierungsprozesse. Konflikte entstanden zwischen der Distanzherrschaft der Kolonialreiche und lokalen Formen autonomer Selbstverwaltung in indigenen Kommunen. Das spiegelte sich in der lateinamerikanischen Geschichtsschreibung zwischen kolonialen Narrativen, nationalen Deutungsmustern und postkolonialer Kritik.

Für das 20. Jahrhundert analysiert die Vorlesung Militärdiktaturen, Bürgerkriege und sozialistische Gesellschaftsexperimente ebenso wie Lateinamerika als volkswirtschaftliches Laboratorium: Dazu zählen die kybernetisch inspirierten Steuerungsversuche der chilenischen Wirtschaft unter Salvador Allende ebenso wie die radikale Umsetzung neoliberaler Reformen während der Pinochet-Diktatur, angeleitet von Ökonomen der Chicago Boys. Diese gegensätzlichen Modelle verdeutlichen, wie der Kontinent wiederholt als Experimentierfeld globaler Wirtschafts- und Ordnungsvorstellungen diente. Spätestens um 1900 geriet Lateinamerika langfristig unter den Einfluss des US-Imperialismus.

Aus Schweizer Perspektive blieb der Kontinent trotz seiner globalen Verflechtungen häufig ein blinder Fleck. Die Ringvorlesung möchte dem entgegenwirken, indem sie die Vielschichtigkeit und Dynamik der lateinamerikanischen Geschichte sichtbar macht und ein historisch fundiertes Verständnis für die Gegenwart und ihre Konflikte vermittelt.
Wann?
19.05.2026 17:00
Wo?
Standort MIS 03 / Raum 3024
Avenue de l'Europe 20, 1700 Fribourg
Organisation
Siegfried Weichlein
siegfried.weichlein@unifr.ch
Vortragende / Mitwirkende
Ana Soliz de Stange (Hamburg)

REIHE von Veranstaltungen:
Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium

Die Ringvorlesung bietet einen epochenübergreifenden Überblick über die Geschichte Lateinamerikas von der Ankunft der Europäer 1492 bis in die Gegenwart. Sie begreift den Kontinent zugleich als Krisenherd und als historisches Laboratorium, in dem soziale, kulturelle, politische und ökonomische Ordnungen aufeinanderstießen. Aktuelle Konflikte – etwa die jüngsten Spannungen um Venezuela – werden dabei konsequent in ihren historischen Kontext eingebettet.

Historische Orte des Konflikts und der Transformation waren die Mestizaje und die Transkulturation, als sich indigene Gesellschaften, europäische Kolonisatoren, afrikanische und asiatische Arbeits- und Zwangsmigranten begegneten. Missionarische Unternehmungen und utopische Siedlungsprojekte wirkten als Laboratorien religiöser Disziplinierung, Herrschaftsausübung und gemeinschaftlicher Neuordnung. Der Kontakt mit der „Neuen Welt“ veränderte europäische Wissensordnungen nachhaltig. Kolonialismus erscheint in dieser Perspektive nicht nur als Ausbeutungsregime, sondern auch als Motor früher Globalisierungsprozesse. Konflikte entstanden zwischen der Distanzherrschaft der Kolonialreiche und lokalen Formen autonomer Selbstverwaltung in indigenen Kommunen. Das spiegelte sich in der lateinamerikanischen Geschichtsschreibung zwischen kolonialen Narrativen, nationalen Deutungsmustern und postkolonialer Kritik.

Für das 20. Jahrhundert analysiert die Vorlesung Militärdiktaturen, Bürgerkriege und sozialistische Gesellschaftsexperimente ebenso wie Lateinamerika als volkswirtschaftliches Laboratorium: Dazu zählen die kybernetisch inspirierten Steuerungsversuche der chilenischen Wirtschaft unter Salvador Allende ebenso wie die radikale Umsetzung neoliberaler Reformen während der Pinochet-Diktatur, angeleitet von Ökonomen der Chicago Boys. Diese gegensätzlichen Modelle verdeutlichen, wie der Kontinent wiederholt als Experimentierfeld globaler Wirtschafts- und Ordnungsvorstellungen diente. Spätestens um 1900 geriet Lateinamerika langfristig unter den Einfluss des US-Imperialismus.

Aus Schweizer Perspektive blieb der Kontinent trotz seiner globalen Verflechtungen häufig ein blinder Fleck. Die Ringvorlesung möchte dem entgegenwirken, indem sie die Vielschichtigkeit und Dynamik der lateinamerikanischen Geschichte sichtbar macht und ein historisch fundiertes Verständnis für die Gegenwart und ihre Konflikte vermittelt.
 
Weitere Veranstaltungen dieser Reihe
17.02.2026Einleitung / Introduction Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“
24.02.2026"Occidentalisation et colonisation alphabétique dans l’Amérique espagnole" Serge Gruzinski (EHESS Paris) (Ringvorlesung: "Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium")
03.03.2026Christian Büschges (Bern): "Die Regierung eines Weltreichs. Konsens und Konflikt am vizeköniglichen Hof von Mexiko (17. Jh.)" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)
11.03.2026Stefan Rinke (FU Berlin): "Lateinamerikas Wege in die Unabhängigkeit" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)
17.03.2026Adrian Masters (Trier): "The Power of Paperwork in Spanish Colonial Rule" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)
24.03.2026Sarah Albiez-Wieck (Münster): "Soziale Differenz in Lateinamerika (15.–19. Jh.)" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)
31.03.2026Anne Kraume (Konstanz): "Literatur und Unabhängigkeit. Koloniale Erbschaften und neue Erzählräume (18.–19. Jh.)" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)
14.04.2026Michael Zeuske (Bonn): "Sklavereien in den Amerikas" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)
21.04.2026Nathalia Capellini (Lausanne): "L’histoire de l’Amazonie à l’heure de la crise écologique" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)
28.04.2026Michael Riekenberg (Leipzig): "Das Militär in Lateinamerika – eine (Un)Ordnungsmacht?" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)
05.05.2026Matias Dewey (St. Gallen): "Die andere Bekleidungsindustrie: Textilwerkstätten, Marktplätze und informelle Handelsnetzwerke in Lateinamerika" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)
12.05.2026Andreas Stucki (Bern): "Cuba Libre? Zwischen Selbstbestimmung und US-Intervention" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)
19.05.2026Ana Soliz de Stange (Hamburg): "US-amerikanische und chinesische Hegemoniebestrebungen in Lateinamerika" (Ringvorlesung „Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium“)