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Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium
Vortrag, Öffentliche Vorlesung
Breite Öffentlichkeit
24.02.2026 17:00
Präsenzveranstaltung
Dienstag 17–19 Uhr, MIS 03 3024
Prof. Dr. Vitus Huber
Prof. Dr. Siegfried Weichlein
Offen für alle Interessierten!
Die Ringvorlesung bietet einen epochenübergreifenden Überblick über die Geschichte Lateinamerikas von der Ankunft der Europäer 1492 bis in die Gegenwart. Sie begreift den Kontinent zugleich als Krisenherd und als historisches Laboratorium, in dem soziale, kulturelle, politische und ökonomische Ordnungen aufeinanderstießen. Aktuelle Konflikte – etwa die jüngsten Spannungen um Venezuela – werden dabei konsequent in ihren historischen Kontext eingebettet.
Historische Orte des Konflikts und der Transformation waren die Mestizaje und die Transkulturation, als sich indigene Gesellschaften, europäische Kolonisatoren, afrikanische und asiatische Arbeits- und Zwangsmigranten begegneten. Missionarische Unternehmungen und utopische Siedlungsprojekte wirkten als Laboratorien religiöser Disziplinierung, Herrschaftsausübung und gemeinschaftlicher Neuordnung. Der Kontakt mit der „Neuen Welt“ veränderte europäische Wissensordnungen nachhaltig. Kolonialismus erscheint in dieser Perspektive nicht nur als Ausbeutungsregime, sondern auch als Motor früher Globalisierungsprozesse. Konflikte entstanden zwischen der Distanzherrschaft der Kolonialreiche und lokalen Formen autonomer Selbstverwaltung in indigenen Kommunen. Das spiegelte sich in der lateinamerikanischen Geschichtsschreibung zwischen kolonialen Narrativen, nationalen Deutungsmustern und postkolonialer Kritik.
Für das 20. Jahrhundert analysiert die Vorlesung Militärdiktaturen, Bürgerkriege und sozialistische Gesellschaftsexperimente ebenso wie Lateinamerika als volkswirtschaftliches Laboratorium: Dazu zählen die kybernetisch inspirierten Steuerungsversuche der chilenischen Wirtschaft unter Salvador Allende ebenso wie die radikale Umsetzung neoliberaler Reformen während der Pinochet-Diktatur, angeleitet von Ökonomen der Chicago Boys. Diese gegensätzlichen Modelle verdeutlichen, wie der Kontinent wiederholt als Experimentierfeld globaler Wirtschafts- und Ordnungsvorstellungen diente. Spätestens um 1900 geriet Lateinamerika langfristig unter den Einfluss des US-Imperialismus.
Aus Schweizer Perspektive blieb der Kontinent trotz seiner globalen Verflechtungen häufig ein blinder Fleck. Die Ringvorlesung möchte dem entgegenwirken, indem sie die Vielschichtigkeit und Dynamik der lateinamerikanischen Geschichte sichtbar macht und ein historisch fundiertes Verständnis für die Gegenwart und ihre Konflikte vermittelt.
Prof. Dr. Vitus Huber
Prof. Dr. Siegfried Weichlein
Offen für alle Interessierten!
Die Ringvorlesung bietet einen epochenübergreifenden Überblick über die Geschichte Lateinamerikas von der Ankunft der Europäer 1492 bis in die Gegenwart. Sie begreift den Kontinent zugleich als Krisenherd und als historisches Laboratorium, in dem soziale, kulturelle, politische und ökonomische Ordnungen aufeinanderstießen. Aktuelle Konflikte – etwa die jüngsten Spannungen um Venezuela – werden dabei konsequent in ihren historischen Kontext eingebettet.
Historische Orte des Konflikts und der Transformation waren die Mestizaje und die Transkulturation, als sich indigene Gesellschaften, europäische Kolonisatoren, afrikanische und asiatische Arbeits- und Zwangsmigranten begegneten. Missionarische Unternehmungen und utopische Siedlungsprojekte wirkten als Laboratorien religiöser Disziplinierung, Herrschaftsausübung und gemeinschaftlicher Neuordnung. Der Kontakt mit der „Neuen Welt“ veränderte europäische Wissensordnungen nachhaltig. Kolonialismus erscheint in dieser Perspektive nicht nur als Ausbeutungsregime, sondern auch als Motor früher Globalisierungsprozesse. Konflikte entstanden zwischen der Distanzherrschaft der Kolonialreiche und lokalen Formen autonomer Selbstverwaltung in indigenen Kommunen. Das spiegelte sich in der lateinamerikanischen Geschichtsschreibung zwischen kolonialen Narrativen, nationalen Deutungsmustern und postkolonialer Kritik.
Für das 20. Jahrhundert analysiert die Vorlesung Militärdiktaturen, Bürgerkriege und sozialistische Gesellschaftsexperimente ebenso wie Lateinamerika als volkswirtschaftliches Laboratorium: Dazu zählen die kybernetisch inspirierten Steuerungsversuche der chilenischen Wirtschaft unter Salvador Allende ebenso wie die radikale Umsetzung neoliberaler Reformen während der Pinochet-Diktatur, angeleitet von Ökonomen der Chicago Boys. Diese gegensätzlichen Modelle verdeutlichen, wie der Kontinent wiederholt als Experimentierfeld globaler Wirtschafts- und Ordnungsvorstellungen diente. Spätestens um 1900 geriet Lateinamerika langfristig unter den Einfluss des US-Imperialismus.
Aus Schweizer Perspektive blieb der Kontinent trotz seiner globalen Verflechtungen häufig ein blinder Fleck. Die Ringvorlesung möchte dem entgegenwirken, indem sie die Vielschichtigkeit und Dynamik der lateinamerikanischen Geschichte sichtbar macht und ein historisch fundiertes Verständnis für die Gegenwart und ihre Konflikte vermittelt.
Wann?
24.02.2026 17:00
Wo?
Organisation
Siegfried Weichlein
siegfried.weichlein@unifr.ch
siegfried.weichlein@unifr.ch
Vortragende / Mitwirkende
Serge Gruzinski (EHESS Paris)
Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung «Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium» bei Prof. Dr. Vitus Huber / Prof. Dr. Siegfried Weichlein
Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung «Geschichte Lateinamerikas: Krisenherd und Laboratorium» bei Prof. Dr. Vitus Huber / Prof. Dr. Siegfried Weichlein
REIHE von Veranstaltungen:
Geschichte Lateinamerikas
Die Ringvorlesung bietet einen epochenübergreifenden Überblick über die Geschichte Lateinamerikas von der Ankunft der Europäer 1492 bis in die Gegenwart. Sie begreift den Kontinent zugleich als Krisenherd und als historisches Laboratorium, in dem soziale, kulturelle, politische und ökonomische Ordnungen aufeinanderstießen. Aktuelle Konflikte – etwa die jüngsten Spannungen um Venezuela – werden dabei konsequent in ihren historischen Kontext eingebettet.
Historische Orte des Konflikts und der Transformation waren die Mestizaje und die Transkulturation, als sich indigene Gesellschaften, europäische Kolonisatoren, afrikanische und asiatische Arbeits- und Zwangsmigranten begegneten. Missionarische Unternehmungen und utopische Siedlungsprojekte wirkten als Laboratorien religiöser Disziplinierung, Herrschaftsausübung und gemeinschaftlicher Neuordnung. Der Kontakt mit der „Neuen Welt“ veränderte europäische Wissensordnungen nachhaltig. Kolonialismus erscheint in dieser Perspektive nicht nur als Ausbeutungsregime, sondern auch als Motor früher Globalisierungsprozesse. Konflikte entstanden zwischen der Distanzherrschaft der Kolonialreiche und lokalen Formen autonomer Selbstverwaltung in indigenen Kommunen. Das spiegelte sich in der lateinamerikanischen Geschichtsschreibung zwischen kolonialen Narrativen, nationalen Deutungsmustern und postkolonialer Kritik.
Für das 20. Jahrhundert analysiert die Vorlesung Militärdiktaturen, Bürgerkriege und sozialistische Gesellschaftsexperimente ebenso wie Lateinamerika als volkswirtschaftliches Laboratorium: Dazu zählen die kybernetisch inspirierten Steuerungsversuche der chilenischen Wirtschaft unter Salvador Allende ebenso wie die radikale Umsetzung neoliberaler Reformen während der Pinochet-Diktatur, angeleitet von Ökonomen der Chicago Boys. Diese gegensätzlichen Modelle verdeutlichen, wie der Kontinent wiederholt als Experimentierfeld globaler Wirtschafts- und Ordnungsvorstellungen diente. Spätestens um 1900 geriet Lateinamerika langfristig unter den Einfluss des US-Imperialismus.
Aus Schweizer Perspektive blieb der Kontinent trotz seiner globalen Verflechtungen häufig ein blinder Fleck. Die Ringvorlesung möchte dem entgegenwirken, indem sie die Vielschichtigkeit und Dynamik der lateinamerikanischen Geschichte sichtbar macht und ein historisch fundiertes Verständnis für die Gegenwart und ihre Konflikte vermittelt.
Weitere Veranstaltungen dieser Reihe
Historische Orte des Konflikts und der Transformation waren die Mestizaje und die Transkulturation, als sich indigene Gesellschaften, europäische Kolonisatoren, afrikanische und asiatische Arbeits- und Zwangsmigranten begegneten. Missionarische Unternehmungen und utopische Siedlungsprojekte wirkten als Laboratorien religiöser Disziplinierung, Herrschaftsausübung und gemeinschaftlicher Neuordnung. Der Kontakt mit der „Neuen Welt“ veränderte europäische Wissensordnungen nachhaltig. Kolonialismus erscheint in dieser Perspektive nicht nur als Ausbeutungsregime, sondern auch als Motor früher Globalisierungsprozesse. Konflikte entstanden zwischen der Distanzherrschaft der Kolonialreiche und lokalen Formen autonomer Selbstverwaltung in indigenen Kommunen. Das spiegelte sich in der lateinamerikanischen Geschichtsschreibung zwischen kolonialen Narrativen, nationalen Deutungsmustern und postkolonialer Kritik.
Für das 20. Jahrhundert analysiert die Vorlesung Militärdiktaturen, Bürgerkriege und sozialistische Gesellschaftsexperimente ebenso wie Lateinamerika als volkswirtschaftliches Laboratorium: Dazu zählen die kybernetisch inspirierten Steuerungsversuche der chilenischen Wirtschaft unter Salvador Allende ebenso wie die radikale Umsetzung neoliberaler Reformen während der Pinochet-Diktatur, angeleitet von Ökonomen der Chicago Boys. Diese gegensätzlichen Modelle verdeutlichen, wie der Kontinent wiederholt als Experimentierfeld globaler Wirtschafts- und Ordnungsvorstellungen diente. Spätestens um 1900 geriet Lateinamerika langfristig unter den Einfluss des US-Imperialismus.
Aus Schweizer Perspektive blieb der Kontinent trotz seiner globalen Verflechtungen häufig ein blinder Fleck. Die Ringvorlesung möchte dem entgegenwirken, indem sie die Vielschichtigkeit und Dynamik der lateinamerikanischen Geschichte sichtbar macht und ein historisch fundiertes Verständnis für die Gegenwart und ihre Konflikte vermittelt.
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