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MAI

Vom Rhonegletscher zur Gemüsekammer der Schweiz – und wie weiter im Seeland? mit oder ohne Dritte Juragewässerkorrektion?

Conférence Public-cible: Ouvert au grand public
Das Drei-Seen-Land von der Orbe-Ebene bis nach Solothurn wird heute als das landesweit grösste und (noch?) fruchtbarste Landwirtschaftsgebiet gepriesen. Zur eigentlichen Gemüsekammer der Schweiz umgestaltet wurde es aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. nach der Zweiten Juragewässerkorrektion. Zu intensive landwirtschaftliche Nutzung schädigt die Böden. So kann bereits das einmalige Befahren eines Feldes mit einem Traktor bei Nässe die Ernteerträge über mehr als ein Jahrzehnt schmälern. Erheblich empfindlicher gegenüber mechanischer Belastung sind Moorböden, von denen es im Seeland, nach Abschluss der Ersten Jura- gewässerkorrektion, noch mehrere Tausend Hektaren gab. Trotz massiven Schwundes seit 125 Jahren gelten diese noch heute als besonders prädestiniert und geeignet für den Gemüseanbau, obwohl ihre Entwässerung und intensive Nutzung untrennbar mit sehr grossen Risiken, Verlusten und Belastungen quantitativer und qualitativer Art verbunden sind – für die Gemüsebauern, aber auch für die Allgemeinheit. So sorgen die Entwässerung und die damit beabsichtigte Belüftung der oberen Torfschichten für rasche Oxidation des bis anhin sehr langfristig (während Jahrhunderten oder Jahrtausenden) im Torfkörper gespeicherten Kohlenstoffs (C). Das resultierende Kohlendioxid (CO2) entschwindet innert kurzer Frist in gewaltigen Mengen und gelangt als sehr wirksames Treibhausgas in die Atmosphäre.
Andreas Grünig hat Naturwissenschaften an der ETH Zürich studiert und am Geobotanischen Institut zum «Schilfrückgang am Bodensee» diplomiert. Nach einer Assistenzzeit an der ETH erstellte er mit Luca Vetterli das «Hochmoorinventar der Schweiz», wurde Mitarbeiter der Koordinationsstelle für Moorschutz und später Leiter der Beratungsstelle für Moorschutz an der WSL. Von 1994 – 2000 war er mitverantwortlich für das Bafu-Projekt «Erfolgskontrolle Moorschutz» und von 1992 – 2002 gehörte er der Redaktionskommission an, die das «Handbuch Moorschutz in der Schweiz» betreute. Von 1996 – 2004 delegierte ihn die International Mire Conservation Group (IMCG) ins «Scientific and Technical Review Panel» der «Ramsar-Convention on Wetlands» – eine der ältesten UNO-Konventionen, mit Sitz in Gland.
Ab 2000 war Andreas Grünig wissenschaftlicher Mitarbeiter von Agroscope Reckenholz in Zürich, wo er u.a. die Vegetationsdatenbank initiierte, bei der Bewertung der ökologischen Qualität von Weideflächen mitwirkte, internationale Tagungen organisierte sowie Expertisen und Fachartikel verfasste. Zum Schluss seiner beruflichen Aktivität erarbeitete er mit Chloé Wüst und Jens Leifeld im Auftrag des Bafu den Bericht «Locating Orga- nic Soils for the Swiss Greehouse Gas Inventory». Seit 2015 ist Andreas Grünig pensioniert und liefert swisstopo für mehrere Blätter des Geologischen Atlas der Schweiz die Unterlagen zur Kartierung der Sümpfe und Moore.
Quand?
16.05.2019 20:15
Où?
Site PER 04 / Salle Grosser Hörsaal Pflanzenbiologie
Rue Albert-Gockel 3, 1700 Fribourg
Organisation
Hansruedi Völkle
hansruedi.voelkle@unifr.ch
Intervenants
Andreas Grünig, Diplomierter Naturwissenschaftler ETHZ